„Jahje…je Ethiopia Lidschodsch…“

Ganz im Zeichen des neuesten Pop-Ohrwurms der äthiopischen Nation (übersetzt bedeutet der Text etwa so viel wie: „Freut euch, ihr Kinder Äthiopiens“) stand die „Cultural Week“ bei uns im Projekt, die im Dezember stattgefunden hat. Diese Woche, die vom Unterrichtsministerium im Schulkalender vorgeschrieben ist, war für unsere Kinder und Jugendlichen einer der Höhepunkte des bisherigen Schuljahres.

Kulturprojekt zur Landesgeschichte

Alle Schüler in ganz Äthiopien wurden eine ganze Woche lang über die verschiedenen Kulturen, Traditionen und Geschichten ihres Landes unterrichtet, organisierten Projekte dazu und jeden Tag durften sie in der traditionellen Kleidung ihres Stammes in die Schule kommen. Von den komplett in die buntesten Stoffe eingehüllten Mädels aus dem Stamm der Harar (Ostäthiopien) mit kiloschweren Goldreifen um Arme und Beine bis hin zu den bis auf ein paar Bananenblätter um die Hüften und einem Speer in der Hand nackten Burschen aus dem Stamm der Omo (Südwestäthiopien) war alles vertreten.

Es gab einen Preis für das originalgetreuste und beste Kostüm,  mit diesem Ansporn haben sich alle gleich noch mehr Mühe mit der Auswahl der Kleider, des Schmuckes und der passenden Haartracht gemacht, um ihren Herkunftsort am besten zu präsentieren.

Traditionelle Kaffezeremonie

Des weiteren wurden über die ganze Woche verteilt  traditionelle Märkte nachgestellt, äthiopisches Essen aus den verschiedensten Regionen nachgekocht und dutzende Kaffezeremonien veranstaltet (solltet ihr jemals nach Äthiopien kommen, hier ein ganz wichtiger Tipp: Wenn man zu einer traditionellen Kaffezeremonie eingeladen wird, unbedingt hingehen! Die Kaffebohnen werden vor den Augen der Gäste geröstet, zerstoßen und zubereitet. Und äthiopischer Kaffee ist wirklich nicht zu vergleichen mit allem anderen, er hat ein unbeschreibliches Aroma, vor allem, wenn er frisch geröstet ist. Der Kaffe wird drei Mal aufgebrüht, das heißt, es gibt drei Tassen Kaffe für jeden, der zur Zeremonie eingeladen ist. Auf keinen Fall vor der dritten Tasse gehen, das fassen die Gastgeberinnen schnell als Unhöflichkeit auf! Zeit spielt keine Rolle, Genießen ist angesagt…)

Allerlei Getier – von Ochsen über Pferde, Esel und Hühner - ist in Massen im Projekt herumgelaufen (alle von unseren Kindern und Jugendlichen mit in die Schule gezerrt), äthiopische Tänze aus verschiedenen Regionen wurden aufgeführt  - die Stimmung war unbeschreiblich.

Im Stammeskleid

Ich habe mich zu diesem Anlass in ein Kleid des Stammes „Wellu“  aus Nordwestäthiopien geschmissen und Rastas und schwarz umrandete Augen von meinen Schülerinnen verpasst bekommen, um „einheimischer“ auszusehen. Trotz all der Bemühungen bin ich in der großen Masse wegen meiner blonden Haare noch immer aufgefallen wie ein bunter Hund, ich musste dauernd für Fotos mit allen möglichen Lehrern, Schülern und Besuchern des Festes posieren, was mich erheblich in meiner eigentlichen Aufgabe behindert hat: gemeinsam mit den Lehrern und anderen Volontären Herr über das Chaos in unserem Projektgelände zu werden. Vergeblich, die Kids waren einfach zu aufgekratzt und gegen Ende haben sogar die Wachmänner all ihr Pflichtgefühl beiseite geschoben und mitgetanzt und gefeiert.

Ich hoffe, ich konnte euch mit meinem Bericht eine Prise äthiopisches Lebensgefühl vermitteln und euer Interesse an diesem wirklich einzigartigen Land wecken. Und wie immer gilt: Bei Fragen einfach melden unter babsinchen@yahoo.de (mittlerweile habe ich nämlich wieder Internet und kann vielleicht sogar zurückschreiben).

Babsi Schwalsberger, Jänner 2010

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Nachsatz: An unserer Schule läuft derzeit eine Sammelaktion zur Unterstützung von Barbaras Schule in Addis Abeba. Wir sammeln Geld und kaufen auf Babsis Wunsch dafür Fußbälle und anderes Sportzubehör. 

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