Filmregisseur Andreas Gruber zu Besuch in unserer Schule

Der mehrfach preisgekrönte österreichische Filmemacher Andreas Gruber besuchte uns am 30. April im Rahmen des Filmseminars, das die beiden ProfessorInnen, Frau Eva Hötzendorfer und Herr Günther Reiter, heuer an unserer Schule leiten. Wir sprachen mit ihm über seinen Spielfilm “Welcome Home“, den wir uns in der vorangegangenen Doppeleinheit angesehen hatten. In dieser tiefschwarzen Komödie geht es um einen Asylwerber und zwei österreichische Polizisten, die bei dessen Abschiebung in Afrika „(…) eine absurde Irrfahrt durch die Fremde (erleben), bei der sie ständig ihren eigenen Vorurteilen begegnen, die sich in Umkehrung aller Vorzeichen gegen sie selbst richten.“ (Kurzbeschreibung der DVD)

Andreas Grubers Antworten auf unsere Fragen fielen nie zu knapp aus. Er erzählte spannende und interessante Geschichten über die Beweggründe, diesen Film zu drehen, über die Drehorte, speziell jene in Afrika, sowie über den Arbeitstag als Regisseur. Man konnte dabei erkennen, dass sich Herr Gruber mit den Themen seiner Filme sehr gründlich und genau auseinandersetzt.

Anekdoten

Aber auch die eine oder andere Anekdote gab er zum Besten. So erfuhren wir, dass sich ein Beleuchter bei einem Sturz an der Hand verletzte, worauf er von der Maskenbildnerin fürsorglich verarztet wurde. Dieser Begegnung folgten eine Trauung und zwei Kinder.

Andreas Gruber berichtete uns viel von seinen Eindrücken und Erlebnissen in Afrika. Er beschrieb etwa, dass die Menschen in Ghana das Geschehen um den Film mit viel Humor und Faszination betrachteten. Als zum Beispiel in einer Filmszene die Kleidung der Polizisten vor versammelten afrikanischen StatistInnen versteigert wurde, weshalb die beiden Österreicher lediglich in Boxershorts bekleidet vor ihnen standen, glich diese Szene auch außerhalb der 35 mm einem Volksfest.

Gruber beschäftigt sich in seinen Filmen zumeist mit Themen, die sich mit Menschenrechten, einem selbstbestimmten Leben und der Freiheit des Einzelnen befassen. Es liegt ihm sehr am Herzen, verschwiegene Themen wie Abschiebung, Rassismus und Unterdrückung anzusprechen. Auch in seinem Film „Hasenjagd“ kommt dies zum Ausdruck.

Nach unseren vielen Fragen zu „Welcome Home“ wurde er nicht müde, mit uns über andere Themen als seine Filme zu reden, wie zum Beispiel über den Umgang Österreichs nach 1945 mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.

Insgesamt waren die zwei Stunden mit Andreas Gruber äußerst interessant und lehrreich. Wir erfuhren zum einen viel über die Arbeit eines Filmregisseurs, zum anderen durften wir auch diesen sehr engagierten und herzlichen Menschen ein wenig kennen lernen.

Andreas Gruber

  • geboren am 2. November 1954 in Wels
  • ist ein österreichischer Drehbuchautor, Film- und Fernsehregisseur
  • lebt in Wels
  • von 1974 bis 1982 absolviert Drehbuch- und Regiestudium an Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien
  • ab 1978 freiberufliche Tätigkeit für Film und Fernsehen
  • ab 1979 Regieassistent bei Axel Corti
  • April 2001 - August 2002:  Professor für Drehbuch und Dramaturgie an der Kunsthochschule für Medien in Köln
  • seit September 2002: Professor für Regie und Drehbuch an der Hochschule für Fernsehen und Film, München

Filme

  • 1983 Drinnen & draußen. TV-Film. Drehbuch und Regie
  • 1988 Besser die Hände gefesselt, als der Wille
  • 1989 Schalom, General. TV-Film. Drehbuch und Regie
  • 1991 Erste Wahrnehmung. TV-Film. Drehbuch und Regie 
  • 1994 Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen. Drehbuch und Regie 
  • 1997 Die Schuld der Liebe. Spielfilm. Drehbuch und Regie 
  • 2004 Welcome Home. Film. Drehbuch und Regie 
  • 2008 Der Kurssturz des goldenen Kalbes auf der Grundlage des Fragments von Walter Benjamins Kapitalismus als Religion

Preise und Auszeichnungen

  • 1989 Fernsehpreis der Österreichischen Volksbildung für "Schalom, General"
  • 1990 Max Ophüls-Preis für "Schalom, General"
  • 1994 Kulturpreis des Landes Oberösterreich für Film
  • 1994 Spezialpreis der Katholischen Jury der Filmfestspiele Amiens
  • 1995 Deutscher Kritikerpreis
  • 1996 Preis des Verbandes Deutscher Kritiker für "Hasenjagd"
  • 1996 Preis der Österreichischen Filmtage Wels für "Hasenjagd"
  • 2000 Goldene Romy für Beste Regie

KPRE-Gruppe 2, 3CHL

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